Morning Briefing

15. März 2010 von Georg Holzer · 4 Kommentare 

Guten Morgen, liebe Freunde der fröhlichen Techno-Berichterstattung!

Microsoft mixt das Web

Ab heute Abend wird es in Las Vegas spannend. In der Casino-Stadt findet Microsofts Entwickler-Konferenz für das Web statt. Im Zentrum der Mix10 stehen das eben vorgestellte Windows-Handybetriebsstem, eine neue Version des Internet Explorers und die Programmiersprache Silverlight.

Am heutigen Eröffnungstag dreht sich alles um Windows Phone 7. Obwohl es erst im Herbst erschient, will Microsoft schon jetzt Programmierer darauf einschwören. Zum Start sollen möglichst viele Apps zur Verfügung stehen, die die völlig neuartige Bedienung ausnutzen. Programmiert werden diese Handy-Apps mit Silverlight. Ursprünglich fürs Web erdacht, können mit der Version 4.0 der Programmiersprache auch interaktive Anwendungen für Windows oder Macs (vergleichbar mit Adobe Air) geschrieben werden.

Dass in der Vergangenheit bei Silverlight nicht immer alles nach Plan lief, beweist eine Spekulation: Gerechnet wird unter anderem mit einer Beta von Silverlight für Nokia-Handys. Angekündigt wurde diese bereits vor zwei Jahren, auf der Mix08 . . .

Am morgigen Dienstag dreht sich alles um das Web selbst. Microsoft wird eine neue Vorabversion seines Internet Explorers 9 zeigen, der sich hoffentlich vollständig an Web-Standards halten wird. Zudem könnten (allerdings eher unwahrscheinlich neue Live- Anwendungen (Videoschnitt, Bildbearbeitung etc. ) gezeigt werden.

Facebook offen wie Twitter

Die in einem Monat stattfindende Facebook-Entwickler-Konferenz verspricht ebenfalls viel. Wie ReadWriteWeb berichtet, könnte sich das Soziale Netzwerk mit mittlerweile mehr als 400 Millionen Nutzern gänzlich öffnen.

Entwickler sollen umfassenden Zugriff auf den Stream der Nutzerdaten (individuelle Einwilligung vorausgesetzt) erhalten. Damit wäre abzusehen, dass es für Facebook bald ein umfassendes Angebot an Anwendungen. Noch spannender wird sein, welche Messgrößen, Zahlen und Statistiken wir dann von diesem Material ableiten könnten.

Diskussion um die ORF Futurezone

Das Verhältnis zwischen Verlegern und dem öffentlich-rechtlichen ORF ist getrübt und nicht erst im Zuge der TV-Thek kam es zuletzt immer öfter zu offenen Auseinandersetzungen rund um das Thema Online.

Ende letzter Woche sorgte ORF-Finanzdirektor Richard Grasl für Aufsehen. Der Standard berichtet, dass Grasl die ORF-Futurezone, Österreichs Online-Leitmedium für IT-Themen, in Frage und offen zur Disposition stellt. Diese sei ein “Special Interest”-Dienst, auf den der ORF verzichten könnte. Grasl will sich mit den Zeitungen “committen, dass wir uns nicht gegenseitig in die Quere kommen”.

Meine Meinung dazu dürfte bekannt sein: Gute Inhalte brauchen keine Finanzierung mit verpflichtenden Gebühren aller. Und sollte der ORF die Futurezone wirklich aufgeben – sie wird ganz sicher privat weiter geführt und wäre nicht schlechter als das Original. Eher besser noch, denn derzeit werden die Möglichkeiten des Webs bis auf kleine Bildchen und Links kaum bis gar nicht genutzt.

Wissenschaftler des Tages: Paul Davies. Der britische Physiker spricht beim Guardian Science Weekly (Podcast, 33:11) über neue Wege bei der Suche nach außerirdischem Leben.

Gute Nachricht des Tages: Im Sommer kommt eine neue Staffel von Futurama! Sogar mit Orginal-Besetzung!

App des Tages: Google Maps Navigation lässt sich mit ein paar Tricks und Fummeleien auch auf europäischen Android-Smartphones installieren.

Zahl des Tages: Am Samstag gab es 347.000 Check-ins bei Foursquare. Nach einem Jahr (vorgestellt bei SXSW 2009) hat Foursquare mehr als eine halbe Million Nutzer, 1,4 Millionen Locations und bis vor einer Woche 15,5 Millionen Check-ins weltweit.

T-Shirts des Tages: Sehr geeky, was Mashable da als Frühjahrs-Sommer-Kollektion zeigt.

Ob dieses Shirt jedoch ankommt, muss jede Frau selbst entscheiden.

Kommentare

  1. Andy sagt:

    Zur Futurezone:
    Deine Meinung ist, da du durch Privatmedien sozialisiert bist, und ja im Grunde (zumindest in der Zukunft) der Futurezone auch tw. Konkurrenz machen willst/wirst, verständlich, ich sehe das aber anders.
    Eine der Kernaufgaben von öffentlich-rechtlichen Medien ist es ja gerade das Angebot von “Special Interest”-Diensten, von Themen, die sonst untergehen.
    Und gerade in der letzten Zeit hat sich die Futurezone von einer Technik-News-Seite, wie es mit Heise zumindest im deutschen Sprachraum ja eine wesentlich bessere gibt, zu einer Koryphäe im Bereich Netzpolitik gemausert, die immens wichtig ist.
    Nimmt man der Futurezone die öffentlich-rechtliche Legitimation, und “degradiert” die Seite zu einem privaten “Yet-Another-Technik-Blog”, erkennt man auch den gesellschaftspolitischen Themen über die die Futurezone berichtet, nicht mehr die Wichtigkeit zu, die sie haben.
    All jenen, die sich für die Themen Überwachung und (digitale) Bürgerrechte interessieren und sich dagegen bzw. dafür [kein Widerspruch -> Bezug beachten] einsetzten, nimmt man damit eine wichtige Informationsquelle mit hohen Qualitätsstandards und was noch viel schlimmer ist, die öffentlich-rechtliche Rückendeckung.

    Einmal davon abgesehen, dass die Futurezone gemeinsam mit den Onlineauftritten von FM4 und Ö1 das Qualitätstriumvirat des ORF-Onlineauftrittes darstellt.
    Natürlich kann man der Futurezone vorwerfen, dass die heutigen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden. Allerdings ist das weder ein Grund sie abzuschaffen, noch sie zu privatisieren; eine Modernisierung kann ohne Probleme innerhalb der bestehenden Strukturen passieren.
    Gesellschaftspolitisch ist sie aber viel zu wichtig, um sie einem – im Vergleich – unwichtigen Deal mit den Privaten zu opfern.

  2. Georg Holzer sagt:

    Sicher ist die Futurezone ein wichtiges Medium. Damals zum Start – noch als “presented by Siemens” war sie mein erstes Lieblings-IT-Medium und ist nach wie vor ganz oben.
    Ich kenne dort auch einige Leute von damals und jetzt. Einige davon meinten, dass sie gar nicht mehr machen dürften als sie tun. Ich glaube, dass die Fuzo in der derzeitigen Führung und mit denselben Leuten privat gleich gut wäre, wenn sie nicht öff-rechtlich wäre.

Trackbacks

Schau, was andere zu diesem Artikel sagen ...
  1. Nur ein Blog sagt:

    Digirati – jeden Morgen ein Techno-Happen…

    Ein kleiner Hinweis auf das relativ neue Web“magazin” digirati von Georg Holzer. Irgendwann soll digirati ein Techno-Magazin im PDF-Style werden – oder vielleicht ein spezielle App am iPad? Digirati ist ein Live-Versuch ein neues Ma…

  2. [...] von Georg Holzers Morning Briefings für Digirati habe ich beschlossen, auch auf POLILOG zu versuchen, frühmorgens so oft wie möglich [...]



Sag, was du willst!

Connect with Facebook